Stadt für Alle – Nachrichten März 2026

Nun sind sie wieder da, die „Stadt für Alle“ Nachrichten aus Freiburg und der Welt. Wer nicht lesen will, kann sie hier bei RDL nachhören.

[FR] AUF DER SUCHE NACH EINER SOZIALWOHNUNG
Auf der Wohnungssucher:innendatei der Freiburger Stadtbau standen Ende 2025 7000 Haushalte mit Wohnberechtigungsschein, also Anrecht auf eine Sozialwohnung. Die tatsächliche Zahl derer, die eine solche Wohnung suchen, dürfte deutlich höher liegen. Gäbe es die Aussicht, über die Stadtbau in absehbarer Zeit eine Wohnung zu bekommen, würden sich vermutlich deutlich mehr berechtigte Haushalte melden.

[FR] VONOVIA LÄSST MIETER*INNEN FRIEREN
In zahlreichen Freiburger Vonovia-Häusern mussten die Mieter*innen in diesem Winter bei teilweise sehr kalten Temperaturen ohne funktionierende Heizung auskommen. Betroffen waren Häuser in den Stadtteilen St. Georgen, Haslach, Neuburg und Wiehre. In der Langemarckstraße in der Unterwiehre fiel die Heizung allein im neuen Jahr schon mindestens 17 Tage aus. In manchen Zimmern lag die Temperatur bei 8,5 Grad. Die Betroffenen können selbstverständlich Mietminderung geltend machen. Die Vonovia, die über solch lange Zeiträume nicht für eine funktionierende Heizung sorgte, gehört enteignet.

[FR] BADENOVA WIRD DRECKIGER
In Freiburg hat sich die CO2-Bilanz der städtischen Tochter Badenova in den letzten Jahren noch verschlechtert. Der CO2 Fußabdruck pro Kilowattstunde ist deutlich schlechter als der Bundesdurchschnitt. In der angeblichen „Green City“ wird die fossile Gasinfrastruktur aktuell sogar noch ausgebaut.

WENIG SOZIALWOHNUNGEN FÜR VIELE ARMUTSGEFÄHRDETE HAUSHALTE
Die Humangeographin Johanna Betz hat sich für die Rosa Luxemburg Stiftung den Wohnungsmarkt im Südwesten angeguckt. In Baden-Württemberg stehen demnach knapp 55.000 Sozialwohnungen 800.000 armutsgefährdeten Haushalten gegenüber. In Freiburg liegen die durchschnittlichen Angebotsmieten bei in den letzten drei Jahren neu gebauten Wohnungen bei 18,14 € pro qm. Am teuersten ist hier München mit 24,42 € pro qm. In Baden-Württemberg liegt die Mietbelastungsquote armutsgefährdeter Menschen, also der Anteil des verfügbaren Einkommens, den sie für die Bruttokaltmiete aufwenden müssen, bei 45 Prozent. „Steigende Nebenkosten und Energiearmut verschärfen ihre prekäre Lage zusätzlich, zumal armutsgefährdete Personen überdurchschnittlich häufig in energetisch schlechten Gebäuden leben.“ Durch die Neufassung der Gebietskulisse für angespannte Wohnungsmärkte gilt nun im Freiburger Umland, in Breisach, Denzlingen und Staufen die Mietpreisbremse nicht mehr, so dass die Deckelung von Mieten bei 10 Prozent über der örtlichen Vergleichsmiete wegfällt.

AUCH MAKLER:INNEN MÜSSEN SICH AN DISKRIMINIERUNGSVERBOT HALTEN
Immobilienmakler:innen müssen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, meist Antidiskriminierungsgesetz genannt, beachten. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Eine Grundschullehrerin mit pakistanischem Namen hatte mit ihrem Namen keine Wohnungsbesichtigungstermine erhalten. Bei gleichen sonstigen Angaben und mit der Verwendung von typisch deutschen Namen wie „Schneider“, „Schmidt“ oder „Spieß“ erhielt sie sofort Termine zur Wohnungsbesichtigung. Es liege eine klare Diskriminierung vor, bestätigte nun der BGH und bestätigte die Entscheidung des Darmstädter Landgerichts, das der Betroffenen 3.000 Euro Entschädigung als Ausgleich für den immateriellen Schaden zugesprochen hatte. Nicht nur Vermieter*innen, sondern auch Makler*innen müssen sich an das Diskriminierungsverbot halten. Als Nachweis für eine Diskriminierung seien
Vergleichsanfragen unter anderen Namen oder über Bekannte ein zulässiger Weg, eine mögliche Benachteiligung sichtbar zu machen, so der BGH.

KEINE PROFITE MIT DER UNTERMIETE
Die gewinnbringende Untervermietung einer gemieteten Wohnung ist rechtswidrig und kann ein Kündigungsgrund sein. Das hat der Bundesgerichtshof BGH entschieden. In dem Fall hatte ein Berliner für seine Wohnung mehr als das Doppelte der eigentlichen Miete verlangt. Zwar gibt es einen Anspruch auf Untervermietung, sofern ein berechtigtes Interesse existiert, dazu gehöre aber nicht die Möglichkeit der Gewinnerzielung.

[FR] ZU WENIG ARBEITSSCHUTZ BEI STRASSENBAUARBEITEN?
In der Quäkerstraße in der Wiehre wurde, wie an vielen Orten in Freiburg, die Straße aufgerissen. In diesem Fall wurde von der Badenova eine neue Trinkwasserleitung gelegt. Nik Geiler von der Initiative Schwammstadt Freiburg macht darauf aufmerksam, dass es sich um eine Straße handelt, die, wie früher üblich, geteert wurde. Wie er herausgefunden hat, handelt es sich um Teer, der offensichtlich mit Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet ist. PAKs sind krebserregend. Die kosovarischen Arbeiter an der Baustelle trugen aber laut Geiler keinen ausreichenden Arbeitsschutz. Nik Geiler macht darauf aufmerksam, dass in dem Fall wohl auch nicht die notwendigen Probebohrungen stattgefunden haben. Neben der Gesundheitsgefährdung der Arbeiter gibt es durch den mit PAKs belasteten Teer auch ein Entsorgungsproblem. Immer wieder ist dieser belastete Teer auf Waldwegen im Südschwarzwald aufgetaucht. Mangelnder Arbeits- und Umweltschutz dürfte aktuell bei vielen Arbeiten in älteren Straßen ein Problem sein.