Housing First gibt es nur mit Wohnungen für Alle!

„Die Kolleginnen und Kollegen vor Ort schildern eine anhaltende Überbelegung. Für mich ist klar: Wir brauchen dauerhaft eine Winterschlafstätte, die nicht jedes Jahr neu eingerichtet werden muss. Gleichzeitig dürfen wir uns nicht mit diesem Zustand abfinden. Wir müssen diese Menschen in Wohnungen bringen. Der zentrale Baustein ist für mich daher das Konzept Housing First. Zuerst kommt die Wohnung, dann der Rest. Therapie oder Entzug dürfen keine Voraussetzung für Wohnraum sein. Dafür brauchen wir Kleinstwohnungen“ Das erklärte der neue Sozialbürgermeister Roland Meder in der BZ.
Die Situation in der Wohnungslosenhilfe ist nicht mehr tragbar: Steigende Zahlen der Betroffenen, selbst die Straßenobdachlosigkeit steigt. Dauerüberlastete Kolleg:innen, Themen wie Pflege, Sucht, psychische Erkrankungen nehmen zu und treffen eine räumliche Situation und Personalausstattung, die dafür nicht ausgelegt ist. Durch die Wohnungsknappheit gibt es wenig Auszugschancen aus den Wohnheimen, wodurch Personen dort häufig jahrelang verweilen, ohne dauerhafte Perspektive, ohne wirkliche Privatsphäre, ohne Mietvertrag.

Mehr Wohnheime den je

„Dass wir uns in einer wohlhabenden Stadt wie Freiburg daran gewöhnt haben, Schlafsäle ohne Privatsphäre und Duschen als „Lösung“ zu akzeptieren, ist beschämend. Wenn wir über Sicherheit diskutieren, müssen wir auch über die Würde derer sprechen, die dort nächtigen“, so die BZ-Redakteurin Kathrin Blum in ihrem Kommentar.
Dass wir uns nun in einer Situation befinden, in der wir nicht mehr über genügend Wohnraum diskutieren, sondern über das Fehlen von Notunterkunftsplätzen in Wohnheimen, mit 250 Menschen auf der Warteliste, ist ein Armutszeugnis. Es muss endlich um die Beendigung von Wohnungslosigkeit und um ein

Ende von Notunterkünften gehen! Bereits 2021 gab es einen interfraktionellen Antrag, der „die Verwaltung beauftragt, eine Strategie zu entwerfen, wie die Stadt bis 2030 die Unterbringung Wohnungsloser in Wohnheimen möglichst ganz aufgeben kann“, seit dem sind die Unterkünfte weiter aus dem Boden geschossen. 2022 wurde unter anderem eine ‚Fachkommission‘ zu diesem Thema eingefordert. Bei beiden Anträgen ist wenig passiert.
Der „Nationale Aktionsplan Wohnungslosigkeit und Wohnungslosenberichterstattung“ hat das Ziel, bis 2030 Wohnungslosigkeit zu überwinden. Für diese Aufgabe sind nun keine vier Jahre Zeit. Also Stadt Freiburg, legt endlich mal los!

Mit den beschlossenen Änderungen beim Bürgergeld/Grundsicherung droht weitere Wohnungslosigkeit. Trotz den Warnungen von Wohlfahrtsverbänden, Gewerkschaften und Mieterbund vor Sanktionen und Verschärfungen bei der Anerkennung der Kosten der Unterkunft (KdU) können nun leichter Mietschulden und Zwangsräumungen entstehen, welche zu mehr Wohnungslosigkeit führen. Anstatt Mietpreise und Mietwucher zu begrenzen, wird die Mietkostenerstattung begrenzt und die Ungerechtigkeit des Wohnungsmarktes wird auf die Grundsicherungsbeziehenden abgewälzt.
In einem aktuellen Urteil des Bundessozialgerichts müssen Berechnungen für die Mietobergrenzen für Beziehende bereits das „schlüssige Konzept“ selbst sicherstellen, dass Wohnraum innerhalb der dort angegebenen Obergrenzen tatsächlich verfügbar, also für Wohnungssuchende tatsächlich auch anmietbar ist.

Wir fordern:

  • Wohnungen beenden Wohnungslosigkeit!
  • So lang es noch Wohnheime gibt, müssen diese menschenwürdig gestaltet werden und dürfen keine Dauerlösung sein!
  • Die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten der Wohnungslosenhilfe müssen sich erheblich verbessern (Personalschlüssel, …)!

 

Arbeitskreis kritische Soziale Arbeit