Stadt für Alle – Nachrichten Mai 2026

schwarz rote Häuser mit Faust auf dem Dach und "Mieten Stoppen" als SchriftzugNun sind sie wieder da, die „Stadt für Alle“ Nachrichten aus Freiburg und der Welt. Wer nicht lesen will, kann sie hier bei RDL nachhören.

KEINE HILFEN IN DER ENERGIEKRISE
In seinem Newsletter kommentiert Harald Thomé die aktuelle Politik: „Anstatt der Bevölkerung in der derzeitigen Energiekrise konkret zu helfen – zum Beispiel durch vergünstigten oder kostenfreien Nahverkehr, Energiekostenzuschüsse an Haushalte, Einmalzahlungen an SGB II-, SGB XII- und AsylbLG-Beziehende oder gar eine Regelleistungserhöhung –, passiert wenig. Ebenso könnten ein Spritpreisdeckel oder ein Tempolimit eingeführt und die Situation genutzt werden, um den Umbau der Gesellschaft weg von fossilen hin zu erneuerbaren Energien massiv zu starten.
Hier ist einfach nur ein Komplettversagen der Bundesregierung festzustellen. Sie können und wollen es nicht. Es ist notwendig, dass die Bevölkerung sagt: ‚Es reicht, das ist nicht unsere Politik!‘ – auf der Straße, überall. Eine solche Bewegung ist notwendig, weil diese Regierung sonst zur Wegbereiterin auf den Weg hin zum Faschismus wird.“

[FR] STÜHLINGER KIRCHPLATZ
Wieder einmal hat sich die Badische Zeitung intensiv darum bemüht, Ängste rund um den Stühlinger Kirchplatz zu befeuern. Groß bewarb sie die Podcastserie mit dem reißerischen Titel „Platzangst“. Joshua Kocher und Jannik Jürgens erklärten zwar die Fakten hinter den Gefühlen finden zu wollen, taten genau das aber nicht. Mit den Fakten nahmen sie es nicht so ernst. So trägt die erste Folge den Titel „Der Überfall“, obwohl es eindeutig um einen Trickdiebstahl geht. In einem Tattoo-Studio wurde Geld entwendet, was für die Betroffene selbstverständlich schlimm war, allerdings, anders als suggeriert, nicht gewaltsam geschah. Ausführlich zu Wort kommt der mittlerweile aus dem Amt geschiedene Ordnungsbürgermeister Stefan Breiter, der erklärt, man müsse „sich den Platz zurückholen“. Dass er mit dieser Aussage AfD-Funktionär Alexander Gauland kopierte und es sich um kaum versteckten Rassismus handelte, war den Journalisten keinen Hinweis wert. Antiziganistische Aussagen einer Ärztin blieben unkommentiert stehen. Die Kriminalitätsstatistiken, die die Polizei durch ihre ständigen Großkontrollen teilweise selber in die Höhe treibt, bleiben weitestgehend unhinterfragt. Bei der feierlichen Eröffnung des Kulturkiosks, einer begrüßenswerten Initiative des Vereins Schwere(s)Los, feierte sich das Freiburger Bürgertum. Zahlreiche Vertreter*innen des Gemeinderats und der Stadtgesellschaft waren anwesend. Weder diejenigen, die sonst rund um Kirche und Brunnen ihr Bier trinken, noch bis auf wenige Ausnahmen migrantische Platznutzer*innen waren Teil der Feier. Parallel zum Programm wurden schwarze Platznutzer unter der Brücke von der Polizei kontrolliert.

[FR] KEIN SYNDIKATS-PROJEKT AUF CRASH-AREAL
Das Mietshäuser-Syndikats-Projekt Flurstück 277 gibt das Projekt zur Bebauung des Crash-Areals auf und das reservierte Grundstück zurück. Hauptgrund sind die enorm gestiegenen Grundstückskosten, die die Finanzierung des Projekts unmöglich machen. Seit 2015 sei der Grundstückspreis in etwa um das 2,5-fache gestiegen. Zudem stiegen auch die Baukosten enorm, so der Bauverein Wem gehört die Stadt aus dem Mietshäuser-Syndikat. Auch sorgte das lange Hinhalten durch die Stadt dafür, dass immer mehr Aktive abgesprungen sind. Geplant war, Crash und Drifters in den Neubau zu integrieren und zusätzlich kleinteiliges Gewerbe und sozialen Wohnungsbau zu errichten. Für kulturelle Einrichtungen gibt es zudem keine Ermäßigung bei der Erbpacht. Als Erfolg sieht die Initiative, dass die Bebauung des Areals durch die IHK mit Büros verhindert werden konnte und Crash und Drifters dadurch weiterhin bestehen.

[FR] ABRISS IM METZGERGRÜN
Im Metzgergrün im Stühlinger fand im April der Spatenstich für den 2. Bauabschnitt statt. Derweil sind die neuen Häuser an der Bissierstraße auf der Fläche des ehemaligen Caravanstellplatz fertig. Von den 175 Wohnungen sind 125 sozial gefördert. Hier liegen die Mieten im Durchschnitt bei ca. 9 €/qm, im „freifinanzierten“ Wohnungsbau bei durchschnittlich rund 13,60 €/. Von den 24 Eigentumswohnungen, die meist ca. 120 qm groß sind und deutlich über 900.000 € kosten, sind einige noch nicht verkauft. Im 2. Bauabschnitt sollen nun noch einmal 208 Wohnungen gebaut werden, davon 125 sozial gefördert, 53 „freifinanziert“ und 30 Eigentumswohnungen. Insgesamt will die Stadtbau rund 550 Wohnungen bauen und, obwohl in Freiburg hauptsächlich Sozialwohnungen benötigt werden, lediglich 50 % von diesen, was bedeutet, dass im noch nicht abgerissenen Teil der alten Arbeitersiedlung, die von der Lage wegen des Abstands zur Bahnlinie der attraktivste Teil ist, gerade einmal noch 25 Sozialwohnungen errichtet werden. Auf der ursprünglich bebauten Fläche, wo es 250 bezahlbare Wohnungen mit schönen Gärten gab und die Miete aktuell im Schnitt bei 6,39 €/qm liegt, werden später also nur 150 Sozialwohnungen sein, deren Mieten dann deutlich über denen im alten Metzgergrün liegen. Die restlichen Wohnungen haben mit „bezahlbar“ nichts zu tun. Wäre der politische Wille dagewesen, wäre ein Erhalt des alten Metzgergrüns möglich gewesen. Das bestätigt auch der bekannte Altbausanierer Willi Sutter. Stoppt endlich den weiteren Abriss!